Tea Party

by Marianne Kohler Nizamuddin, 15. Januar 2019

Mich hat eine Erkältung erwischt. So trinke ich noch mehr Tee als sonst. Eigentlich sollte ich Erkältung- und Hustentee trinken. Doch eine Tasse guter, starker englischer Tee schmeckt einfach so viel besser.

Suffragette City

Die Designerin Bella Freud, hat zum 100 Jahr Gedenken an die Sufragetten eine ziemlich coole Teekanne entworfen. Die Sufragetten-Frauenbewegung erreichte, dass 1918 die Frauen in England das Stimmrecht bekamen. Doch noch lange nicht alle. Nur die, die über 30 Jahre alt waren und ein Haus oder Land besassen. Es durften übrigens in dieser Zeit auch bloss Männer an die Wahlurne gehen, die Grundstück- oder Immobilieneigentümer waren. Erst über 10 Jahre später wurde das Wahlrecht demokratisiert. Erhältlich ist die Teekanne auf dem artsy Webshop Plinth, zu 90£.

Afternoon Tea

Doch wann begann eigentlich der typische englische Nachmittagstee?  Die  portugiesische Gattin von König Charles II. hatte die Gewohnheit, Tee am Nachmittag zu trinken, aus ihrem Heimatland nach England brachte. Mode wurde es zu Beginn des 19. Jahrhunderts als die Duchess Bedford sich Tee mit Butterbroten am Nachmittag servieren liess. Auf einmal war der Nachmittagstee «in» unter den Damen der Upperclass. Sie begannen sich gegenseitig einzuladen und servierten kleine Gebäcksstücke mit dickem Rahm und feine, kleine Sandwiches. Bild über Pinterest.

Klassenbewusstsein auch beim Tee!

Die Upperclass in England trank ihren Tee immer so gegen vier Uhr Nachmittags, vor dem Spaziergang im Hyde Park. Die Mittelklasse und die Unterschicht servierten den Tee später um fünf oder sechs Uhr als eine richtige Mahlzeit, die das Abendessen ersetzte, denn sie mussten ja schliesslich am Nachmittag arbeiten.  Zu den Kuchen und Sandwiches wurden kaltes Fleisch, Fisch oder Eier serviert. Dieser Tee wird High Tea genannt. Das bezieht sich auf die Höhe des Tisches. Am Nachmittag sitzt man an einem tiefen Tischchen und am Abend am Esstisch. Bild über Miss Wallflower.

Tea Party

Leider hat heute fast niemand mehr Zeit, einfach so am  Nachmittag Tee zu trinken. Deswegen lohnt es ab und zu eine richtige Tea Party zu feiern, mit vielen Sandwiches, Kuchen, schönen Kleidern und hübschen Teetassen. Ein gutes Vorbild ist zum Beispiel die verrückte Teeparty aus Alice im Wunderland nehmen. Bild über: Rhubarb and Rose.

Scones and clotted cream

Sehr typisch für einen englischen Tee sind Scones. Sie werden mit Erdbeerkonfitüre und «Clotted Cream» – verdickter Rahm aus unpasteurisierter Milch – gegessen. Bild über: Twigg Studios.

Zutaten:

225 g Mehl
25 gBackpulver
50 g Butter
1 Ei, geschlagen
75 ml Milch

Zubereitung:

Den Ofen auf 220 Grad vorheizen. Das Mehl mit dem Backpulver in eine Schüssel sieben, die weiche Butter dazugeben und mit den Fingern zusammen vermischen, einreiben. Machen Sie eine Mulde in der Mehlmischung und geben Sie das geschlagene Ei und die Milch hinein. Mischen Sie das Ganze mit einem Spachtel zu einem weichen Teig. Kneten Sie den Teig  sanft auf einer mit Mehl bestäubten Oberfläche, dann rollen Sie ihn aus, so dass er 2 cm dick ist. Nun stechen Sie Kreise aus (5 cm Durchmesser). Das sollte etwa 10-12 Scones ergeben. Verteilen Sie die Scones auf einem mit Backpapier belegten Backblech, bestreichen Sie die Scones mit einem verquirlten Ei und backen Sie sie ca. 8 Minuten bis sie aufgegangen und goldbraun sind.

Welsh Cakes

Sie sind so etwas wie dünne Scones, können in der Pfanne gemacht werden und bekommen Geschmack mit Muskatblüten und getrockneten Johannisbeeren. Bild über King Arthur Flour.

Zutaten:

350 g Mehl
1/2 KL Salz
15 g Backpulver
1 KL geriebene Muskatblüte
150 g Butter, gekühlt und in Würfel geschnitten
100 g Zucker
100 g getrocknete Johannisbeeren oder Rosinen
1 Ei, verrührt
ein wenig Milch

Zubereitung:

Mischen Sie Mehl, Salz, Backpulver, Muskatblüte in einer Schüssel und arbeiten Sie mit den Fingern die Butter ein, bis die Mischung krümelig ist. Dann mischen Sie den Zucker und die Johannisbeeren ein und dann das Ei, um den Teig zusammenzubringen. Evtl. braucht es noch ein wenig Milch. Den Teig in Plastikfolie einwickeln und eine halbe Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Danach den Teig auf ca. 2 cm Dicke ausrollen und daraus Rondellen mit einem Durchmesser von 5 cm ausstechen. Diese in einer heissen Pfanne mit klarer Butter beidseitig 3 Minuten goldgelb braten. Halbieren so lange sie noch heiss sind und mit Butter und Konfitüre essen.

Cucumber Sandwiches

Schneiden Sie eine Gurke in feinen Scheiben und mischen Sie die Scheiben mit ein wenig Salz. Lassen Sie die Gurken ein wenig ziehen. Danach trocknen Sie sie mit Haushaltpapier oder einem Tuch. Schneiden Sie gutes, weisses Toastbrot in Scheiben, bestreichen Sie sie mit Butter und ein wenig Mayonnaise. Würzen Sie die Gurkenscheibchen mit ein wenig schwarzem Pfeffer. Nach Wunsch können Sie auch noch gehackte Pfefferminzblättchen dazugeben. Belegen Sie die Brotscheiben damit. Zudecken mit einer zweiten bestrichenen Brotscheibe. Die Kruste abschneiden und die Sandwiches in kleine Dreiecke schneiden. Bild über OMG Lifestyle.

Andere typische Sandwiches sind gefüllt mit Eiersalat, Lachs, Schinken und Käse oder Sardellenbutter.

Abwarten und Teetrinken

Die Umsetzung dieses Sprichwortes hat schon viele Nerven beruhigt. Versuchen Sie es das nächste Mal, wenn Sie sich aufregen oder einfach Zeit lassen möchten, um zu einer Entscheidung zu kommen. Bild über Pinterest.

Die ultimative Teeparty

Geniessen Sie wieder einmal Alice im Wonderland auf der verrückten Teeparty (Bild über: Miss Wallflower)

Teesorten

Wenn Sie wirklich guten Tee servieren möchten, lohnt es sich, in ein Spezialgeschäft zu gehen und sich eine gute Teemischung zu kaufen. Die fantastischen Tees, und übrigens auch Biscuits, Marmeladen und Honig von Fortnum and Mason gibt es in der Foodabteilung von Jelmoli. Bild über Pinterest.

Tea Cake

Ein einfacher Kuchen passt am besten zu Tee. Hier ein Rezept eines Zitronenkuchens. Bild über Pinterest.

Zutaten:

3 Tassen Mehl
1 KL Backpulver
1 KL Back-Soda
1 Prise Salz
2 Tassen Zucker
8 Eier
die abgeriebene Schale von 4 Zitronen
1/4 Tasse Zitronensaft
2 Tassen geschmolzene, abgekühlte Butter
1/2 Tasse Sauerrahm (Zimmertemperatur)
1 Päckli Vanillezucker

Zubereitung:

Den Ofen auf 220 Grad vorheizen, eine Backform mit Backpapier auslegen, Mehl, Backpulver, Soda, und Salz in eine Schüssel sieben. In einer Küchenmaschine Zucker, Vanillezucker, Eier, Zitronenschale, Zitronensaft vermischen, die Butter und den Sauerrahm langsam beigeben, in eine Schüssel geben, die Mehlmischung langsam einfalten jeweils ein Drittel auf einmal. Nicht zu fest rühren. In die Backform geben und ca. 40 Minuten goldbraun backen. Der Kuchen ist fertig, wenn beim Einstechen mit einem Spiess nichts mehr kleben bleibt. Der fertige Kuchen kann mit Puderzucker bestäubt werden oder bekommt eine Glasur aus Puderzucker und Zitronensaft.

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Marianne Kohler Nizamuddin


Marianne Kohler Nizamuddin ist Stylistin und Journalistin. Sie begann ihre Karriere als Textildesignerin und arbeitete in Paris und New York, bevor sie einige Jahre das Moderessort der Zeitschrift «Annabelle» leitete. Heute arbeitet sie in den Bereichen Styling, Creative Direction und Consulting. Zudem ist sie die Autorin von Sweet Home, dem meist gelesenen Interior-Blog der Schweiz, der fünfmal in der Woche auf Tagesanzeiger/Newsnet erscheint. Marianne Kohler Nizamuddin lebt mit ihrem englischen Mann David und ihrem Hündchen Miss C. in Zürich.